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Mexiko |
Einwohnerzahl (Weltrang): 102 291 000 (11)
Fläche (Weltrangplatz): 1 953 162 km² (14)
Hauptstadt: Mexiko Stadt
Autokennzeichen: MEX |
Mexico - Mexique
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Reiseberichte / Texte zu Mexiko
Mexiko City Chihuahua Felsenspringer
von Acapulco Frida
Kahlo - Malerin Volksheld
Pancho Villa
MEXICO CITY
Ein Moloch der in Smog und Chaos versinkt, gekennzeichnet durch Kriminalität und
Straßenkinder, das ist das Bild der mexikanischen Hauptstadt in den 70er und
80er Jahren, das die internationale Presse in ihrer Anhänglichkeit zu Klischees
zum Teil bis heute transportiert.
Heute stellt sich die 2200 m hoch gelegene Stadt dank großer Anstrengungen der
Regierung und der Stadtverwaltung jedoch ganz anders dar. Mir wenigstens. Als
ich im April Mexico City besuchte konnte ich die klare Luft des Hochplateaus
genießen. Den Verkehr empfand ich im Vergleich z.B. mit asiatischen Metropolen
als zivilisiert und einigermaßen flüssig. In drei Tagen erlebte ich keine
schlimmeren Staus als in einer europäischen Großstadt. Auch die Kriminalität
soll stark eingedämmt worden sein. Nicht einmal aufdringliche Händler haben
mich belästigt. Natürlich muss wie in jeder Großstadt vor Taschendieben gewarnt
werden. Und was die Straßenkinder anbetrifft; die sind verschwunden. Dies
ist wohlgemerkt das Bild das sich dem Touristen in der Innenstadt bietet. In den
Vororten , den vecindades, wo sich die Bewohner täglich in der Kunst des
Überlebens üben, sieht es wohl anders aus.
Einen guten Eindruck von Mexico City verschafft man sich durch eine Fahrt
mit dem Turi-Bus. Für 100 Pesos pro Tag – an Wochenenden etwas teurer – sieht
man von den oben offenen modernen Doppeldecker-Bussen viele der
wichtigsten und schönsten Sehenswürdigkeiten des Zentrums. Jederzeit kann man
auf der Strecke an einer der 24 Haltestellen aus- und wieder einsteigen. Die
Fahrt führt vom weitläufigen Park von Chapultepec zum Stadtteil
Condesa mit seinen Jugendstilbauten über die Prachtallee Paseo de la
Reforma zum Historischen Zentrum, und auf teils anderer Strecke zurück
zum Park mit seinen Seen, Restaurants, Museen und dem Zoo.
Auf dieser Fahrt beeindrucken einerseits das viele Grün und andererseits die
architektonischen Schönheiten: Prachtvolle Kolonialbauten , die von indianischer
Handwerkskunst zeugen, die Fin-de-siècle-Paläste und Villen und die kühnen
himmelstürmenden Strukturen des 20. Jahrhunderts am Paseo de la Reforma..
Auch wenn sich hier Mexiko der Errungenschaften des Westens bedient, ist der
Stil moderner mexikanischer Baukunst charakteristisch und traditionell in
seiner gekonnten Anwendung von Raum, Licht, Proportionen und Farben.
Mexico City ist eine der bedeutendsten Kunstmetropolen der Welt. Die Stadt
beherbergt über 100 Galerien und mindestens ebenso viele Museen. Ein
absolutes Muss für jeden – auch für denjenigen der gewöhnlich Museen eher meidet
– ist das vom Regengott Tlaloc bewachte Nationale Museum für
Anthropologie. In 23 Sälen die sich um einen großen Patio gruppieren legen 10
000 Exponate Zeugnis ab von den antiken Hochkulturen Mittelamerikas. Wollte man
sie alle würdigen, bräuchte man sicher eine Woche oder mehr. Es ist aber nicht
die Quantität sondern die Qualität der Ausstellungsstücke die besticht. Die
Ästhetik der Werke der Azteken lässt einen vor Ehrfurcht erstarren. Was wir
lernen über Leben, Kunst, Wissenschaft und Mythologie der präkolumbianischen
Zeit ist erstaunlich und wieder einmal geeignet unseren abendländischen Dünkel
in Frage zu stellen. Viele antiken Schätze sind dem mexikanischen Volk
gestohlen worden und befinden sich heute in europäischen Museen. Aber immer
wieder werden neue gefunden. Denn Mexico City ist eine einzige große
archäologische Stätte, gebaut auf der aztekischen Hauptstadt
Tenochtitlán.
Und das Zentrum der Stadt befindet sich genau wo es damals war: Am
überdimensionalen Plaza de la Constitución, dem Zócalo,
gepflastert mit den Steinen aztekischer Zeremonienstätten. Hier steht die
Catredal Metropolitana, die größte Kirche von ganz Lateinamerika,
an der ein Vierteljahrtausend gebaut wurde, sowie der Nationalpalast, in
dem die Wandmalereien Diego Riveras, einer der drei Großen des
mexikanischen Muralismo, zu sehen sind. Die Fresken die die turbulente
Geschichte des Landes darstellen befassen sich thematisch hauptsächlich mit den
Indianern, mit dem Klassenkampf und der Revolution. Im lebendigen Historischen
Zentrum nahe des
Zócalo, wo sich das Volk tummelt, finden sich weitere prachtvolle Kirchen
und andere Bauten aus der Kolonialzeit.
Es gibt viel zu sehen und zu erleben in dieser Stadt. Zum Entspannen eignet
sich bestens San Ángel, ein malerisches von Künstlern bevorzugtes Viertel mit
schönen Kolonialhäusern an ruhigen Gässchen. Samstags findet hier ein toller
Markt statt, wo man Kunsthandwerkliches besonders günstig erstehen kann.
Alle Ziele in der Innenstadt sind mit der weit verzweigten Metro gut zu
erreichen, oder – etwas bequemer und auch nicht teuer – mit den grün-weißen
Käfer-Taxis die das Straßenbild beherrschen. Als Ausgangsort für die Entdeckung
der Megametropolis empfiehlt sich das an das Historischen Zentrum angrenzende
Viertel Zona Rosa mit preiswerten Hotels wie der Posada Viena (
köstliches traditionelles Frühstück!), und stimmungsvollen Restaurants, wie dem
Péndulo, wo Sie in einem Buchladen tafeln bei gekonnter musikalischer
Untermalung durch Jekami-Künstler . In der Zona Rosa hat der Besucher
Alles was er braucht: Geschäfte, Boutiquen, Tavernen, Diskotheken. Für das
Nachtleben muss man allerdings Stehvermögen beweisen, denn vor Mitternacht ist
nicht viel los.
Wer wirklich gut essen will und die traditionelle mexikanische Küche erleben
möchte, der geht ins populäre Arroyo in Tlalpan oder zur
Hacienda de los Morales in Polanco mit seinem stilvollen Ambiente. In
beiden bringen einen die köstlichen Speisen, der Tequila und die mitreißenden
Rhytmen der Mariachi auch nach einem anstrengenden Tagesprogramm schnell wieder
in Stimmung.
Ich liebe diese schreckliche Stadt.
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des
Rechteinhabers, © by Heiko Trurnit
2005
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