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Mexiko |
Einwohnerzahl (Weltrang): 102 291 000 (11)
Fläche (Weltrangplatz): 1 953 162 km² (14)
Hauptstadt: Mexiko Stadt
Autokennzeichen: MEX |
Mexico - Mexique
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Reiseberichte / Texte zu Mexiko
Mexiko City Chihuahua Felsenspringer
von Acapulco Frida
Kahlo - Malerin Volksheld
Pancho Villa
PANCHO VILLA - Abenteuer auch noch nach dem Tod
Der spätere Volksheld Francisco „Pancho“ Villa wurde zwischen 1877 und 1879 als
Doroteo Arango in Durango geboren. Der Chronist und Kurator des Pancho Villa
Museums in Hidalgo del Parral, Don Alfonso Carrasco, meint, der Knabe sei eine
Frucht der prima noche gewesen, dem damals üblichen Brauch, dass dem
Gutsherr die erste Nacht gehörte, wenn er die Hochzeit seiner
Bediensteten ausrichtete. In diesem Fall hieß der hacendado Louis Ferman
(oder so ähnlich) und war aus Österreich eingewandert. Vieles spricht dafür,
dass der Chronist recht hat: Doroteo Arango war von sehr hoher Statur, hatte
grüne Augen und – bevor sie von Wind und Wetter gegerbt wurde – eine ziemlich
helle Hautfarbe.
Im Alter von 16 Jahren erschoss Doroteo Arango den Sohn eines hacendado,
der versucht hatte seine 12jährige Schwester zu vergewaltigen. Von da an war er
auf der Flucht. Genaues über die nächsten Jahre ist nicht bekannt. Er lebte in
Chihuahua, arbeitete immer mal wieder als Minenarbeiter und lebte vom Verkauf
gestohlener Rinder. Dann schloss er sich einer regelrechten Bande an, die gegen
die Landeigener kämpfte, die ihre Arbeiter – die peòns - wie Sklaven
behandelten. Der Anführer dieser Bande hieß Pancho Villa. Als er bei ein- em
Gefecht getötet wurde, übernahm Doroteo Arango dessen Namen und die
Führerrolle. In den Jahren bis 1909 wurde der neue Pancho Villa für die Armen
eine Art legendärer Robin Hood, der es immer wieder verstand den das Volk
terrorisierenden Häschern des gehassten Diktators Porfirio Diaz zu entkommen.
Nachdem es seit 1906 im Land gegärt hatte, brach im Jahre 1910 die Revolution
unter der Führung von Francisco Madero offen aus. Pancho Villa kam mit seinen
Leuten aus den Bergen um sich ihm anzuschließen. So wurde aus dem Banditen der
Revolutionär. Anfangs hatte er große Schwierigkeiten sich einzuordnen. Sekunden
bevor er wegen Subordination exekutiert werden sollte, traf ein Pardon von
Madero ein. Madero wusste was er an ihm hatte. Der charismatische Pancho Villa
verstand es Tausende für seine Armee zu gewinnen, selbst viele US-Amerikaner.
Wie Emiliano Zapata im Süden, waren es im Norden die siegreichen Streitkräfte
von Pancho Villa , die den Sturz des Diktators herbeiführten und Francisco
Madero zur - allerdings kurzen - Präsidentschaft verhalfen.
Pancho Villa behielt nach dem Sieg seine Truppen, und herrschte in Chihuahua
wie ein Kriegsherr mittelalterlicher Prägung. Er gab sein eigenes Geld aus, nahm
den Großgrundbesitzern ihre Herden und parzellierte ihre Ländereien für die
Frauen und Kinder seiner gefallenen Mitstreiter. Die politischen Wirren der
Nachfolgezeit gipfelten schließlich in einem Machtkampf zwischen ihm und
Venustiano Carranza. Als die US-Regierung offen die Präsidentschaft des
Letzteren unterstützte, rächte sich der enttäuschte Villa mit Überfällen auf
amerikanische Grenzstädte , und ließ zum Beispiel die Stadt Columbus in New
Mexico in Schutt und Asche zurück. So gesehen ist er die einzige fremde Macht
die jemals erfolgreich in die USA einmarschiert ist. Deren Regierung schickte
daraufhin 1916 eine Armee von 10 000 Mann nach Mexiko um Pancho Villa zu kriegen
– tot oder lebendig. Die Mission war - wie eine zweite drei Jahre später -
erfolglos.
Letztendlich – im Jahre 1920 - arrangierte sich Pancho Villa mit der
Mexikanischen Regierung. Er gab seine Truppen auf , und erhielt eine riesige
Hacienda bei Parral und sein Generalsgehalt auf Lebenszeit. In den folgenden
drei Jahren sorgte er auf der Farm vorbildlich für seine Mitarbeiter. Er
richtete Handwerksbetriebe ein und Schulen. Jedes Kind erhielt eine Ausbildung.
Am Morgen des 20. Juli 1923 fiel Francisco „Pancho“ Villa in Parral – an der
Stelle wo heute das ihm gewidmete Museum steht – einem Attentat zum Opfer. Von
der amerikanischen Regierung gedungene Pistoleros feuerten 300 Schüsse auf ihn
und seine Begleiter ab. Der Körper des Volkshelden war durchsiebt, alleine in
seinem Hintern steckten 7 Kugeln.
Auf dem örtlichen Friedhof erhielt er ein schönes Grab, das zweieinhalb Jahre
später geschändet wurde. Ein Dummkopf der wohl glaubte damit noch die von der
US-Regierung ausgesetzte Prämie von 5000 Dollar kassieren zu können, stahl den
Kopf von Pancho Villa. Seine entsetzten Verwandten nahmen zur Sicherheit den
Rest des Leichnams und setzten ihn in einem unscheinbaren Grabhügel bei, den nur
Eingeweihte kennen. Die entsetzten Stadtoberen wiederum wollten es nicht
zulassen, dass das offizielle Grab ohne Gebeine blieb. Auf die Schnelle konnten
sie nur die einer anonym verstorbenen Frau von 35 Jahren bekommen, die nun da
lagen, wo die Anhänger und Bewunderer von Pancho Villa hin pilgerten. Im Jahre
1976 schickte der damalige Präsident eine Delegation nach Parral um den Leichnam
ins Revolutionsdenkmal nach Mexico City zu überführen. Ein anwesender Arzt
erkannte zwar dass es sich um die Gebeine einer Frau handelte, wurde aber wie
alle anderen Beteiligten zum absoluten Stillschweigen verdonnert. Sagte der die
Delegation leitende General: „ Wenn der Präsident sagt, ich soll den Leichnam
bringen, dann bringe ich ihn“. Und seitdem schicken die Eingeweihten aus Parral,
wenn sie am Revolutionsdenkmal in der Hauptstadt vorbeikommen, einen Gruß
hinauf: „Olé, Senora!“. Derweil ruht der kopflose Volksheld in Parral - neben
einer seiner 26 Frauen.
So wenigstens, hat mir Alfonso Carrasco, der Kurator des Pancho Villa Museums in
Hidalgo del Parral, die Geschichte des heute noch sehr verehrten Volkshelden
erzählt.
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des
Rechteinhabers, © by Heiko Trurnit
2004
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